Folge 99: Zahnfleischtransplantationen – Moderne Lösungen bei Zahnfleischrückgang

Kapitel

Zahnfleischrezession verstehen

(0:04–1:05)

Zahnfleischgewebe regeneriert sich nicht von selbst, sobald es sich von seiner ursprünglichen Position am Zahnschmelzrand zurückgezogen hat. Bei Zahnfleischrückgang wird die Wurzeloberfläche freigelegt – ein Bereich, der im Mund nicht sichtbar sein sollte.

Die moderne Parodontalchirurgie ermöglicht es Spezialisten, Gewebe neu zu positionieren oder zu transplantieren, um die Zahnbedeckung und die Zahngesundheit wiederherzustellen. Es handelt sich dabei um eine chirurgische Rekonstruktion und nicht um biologisches Nachwachsen.

Häufige Ursachen sind aggressives Zähneputzen mit harten Zahnbürsten, dünnes Zahnfleisch, Zähne, die außerhalb des Kieferknochens stehen (insbesondere durch schlecht geplante Aligner), Zähneknirschen und Entzündungen. Sobald der Zahnfleischrückgang beginnt, schreitet er langsam fort, solange die zugrunde liegende Ursache nicht behandelt wird.

Das Bindegewebstransplantat

(4:11–6:25)

Die Bindegewebstransplantation ist die am besten erforschte Methode zur Behandlung von Zahnfleischrückgang. Dabei wird ein kleines Stück Bindegewebe aus der Unterschicht des Gaumens entnommen und auf die freiliegende Wurzeloberfläche platziert.

Mit der Zeit verbindet sich das Transplantat mit dem umliegenden Gewebe und bildet einen neuen, dickeren Zahnfleischstreifen. Gewebe vom Gaumen wird verwendet, da es ähnliche biologische Eigenschaften wie Zahnfleischgewebe aufweist und sich vorhersagbar integriert.

Langzeitstudien belegen durchweg hohe Erfolgsraten hinsichtlich Wurzeldeckung und Gewebestabilität. Nicht jeder Zahnfleischrückgang erfordert eine Transplantation – viele Fälle heilen von selbst aus und können mittels 3D-Scans und Fotografien überwacht werden.

Genesung und Beschwerden

(6:25–8:05)

Die Entnahme von Gewebe vom Gaumen kann vorübergehende Beschwerden verursachen, die oft als ein Gefühl wie eine Schürfwunde oder Verbrennung beschrieben werden. Dank moderner Techniken, Anästhesie und schützender Verbände sind die Beschwerden in der Regel leicht bis mittelschwer und klingen schnell wieder ab.

Studien bestätigen, dass die kurzfristigen Beschwerden durch den langfristigen Nutzen der Stabilisierung des Zahnfleischrückgangs und der Verhinderung weiterer Schäden aufgewogen werden. Alternative Techniken können in ausgewählten Fällen die Entnahme von Gewebe vom Gaumen gänzlich vermeiden.

Die Pinhole-Chirurgietechnik

(8:05–9:54)

Die Lochtechnik ist eine minimalinvasive Methode, bei der kleine Einstichstellen im Zahnfleischgewebe geschaffen werden. Ein spezielles Instrument löst das vorhandene Zahnfleisch von innen, anschließend wird das Gewebe neu positioniert und höher vernäht.

Dieses Verfahren eignet sich gut bei leichtem bis mittelschwerem Haarausfall, sofern die Gewebequalität günstig ist. Im Vergleich zu herkömmlichen Transplantationen verspüren die Patienten nur sehr geringe Beschwerden.

Es gibt jedoch stärkere Langzeitstudien, die Bindegewebstransplantate befürworten. Mittlerweile existiert ein kombiniertes Verfahren, bei dem ein kleines Stück Bindegewebe durch das kleine Einstichloch eingeführt wird, um das Zahnfleisch von innen zu verstärken – eine deutlich weniger invasive Option.

Warum eine Rezession behandeln?

(9:54–12:43)

Die Behandlung von Zahnfleischrückgang ist nicht rein kosmetischer Natur. Freiliegende Wurzeloberflächen sind anfälliger für Karies (Wurzelkaries), Abrieb durch das Zähneputzen und Empfindlichkeit, insbesondere mit zunehmendem Alter.

Eine dringende Überweisung wird empfohlen, wenn der Zahnfleischrückgang die unteren Frontzähne betrifft, insbesondere wenn das Lippenbändchen (das Gewebe, das die Lippe mit dem Zahn verbindet) am Zahn zieht. In schweren Fällen besteht die Gefahr, dass Patienten den Zahn aufgrund von Plaquebildung und mangelnder Mundhygiene vollständig verlieren.

Empfindlichkeit und leichte Abschürfungen lassen sich oft mit Lacken, desensitiver Zahnpasta und dem Vermeiden säurehaltiger Lebensmittel behandeln. Zahnfleischtransplantationen sollten Fällen vorbehalten bleiben, in denen der Zahnfleischrückgang fortschreitet oder schwerwiegend ist.

Alternativen und fortgeschrittene Techniken

(12:50–14:14)

Es gibt zwar künstliche Gewebematerialien, diese weisen jedoch im Vergleich zu Bindegewebe, das weiterhin als Goldstandard gilt, Einschränkungen hinsichtlich der langfristigen Wurzeldeckung und Gewebedicke auf. Einige Spezialisten verwenden daher mittlerweile plättchenreiches Plasma (PRP) oder plättchenreiches Fibrin (PRF), das aus dem Blut des Patienten gewonnen wird.

Dieses Material wird in einer Zentrifuge geschleudert, um eine kittartige Substanz zu erzeugen, die in den Behandlungsbereich eingenäht werden kann. Manchmal wird es mit gefriergetrocknetem oder künstlichem Knochenmaterial vermischt, um sowohl Zahnfleisch- als auch Knochengewebe zu regenerieren.

Heilung und Nachsorge

(14:14–15:23)

Die Heilung dauert in der Regel ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit ist das Transplantat empfindlich und darf nicht berührt werden. Patienten erhalten genaue Anweisungen zum Zähneputzen, zur Körperpflege und zur Ernährung – in der ersten Woche werden weiche Speisen empfohlen.

Scharfe, würzige und harte Speisen sollten 10 bis 14 Tage lang vermieden werden. Die vollständige Integration und Festigung des Transplantats kann mehrere Monate dauern.

Die genaue Befolgung der postoperativen Anweisungen ist einer der wichtigsten Faktoren für einen erfolgreichen Behandlungsverlauf. Es ist unerlässlich, einen Parodontologen mit Erfahrung in diesen Eingriffen zu wählen.

Ästhetische Ergebnisse und Sensibilität

(15:23–18:04)

Bindegewebstransplantate fügen sich im Laufe der Zeit in der Regel sehr gut in das bestehende Zahnfleischgewebe ein. Anfänglich kann der Bereich geschwollen erscheinen, das Erscheinungsbild verbessert sich jedoch mit fortschreitender Heilung deutlich.

Zahnfleischtransplantationen können Sensibilität reduzieren Die dauerhafte Wirkung wird durch die Abdeckung des freiliegenden Wurzeldentins und den Schutz des Zements erzielt. Eine Knochentransplantation ist jedoch nicht die primäre Behandlungsmethode bei alleiniger Überempfindlichkeit.

Weitere Optionen sind Fluoridlacke und desensibilisierende Zahnpasta. individuelle Bleaching-Schienen und Ernährungsumstellung (Vermeidung säurehaltiger Lebensmittel wie Apfelessig, Zitrone und Mineralwasser). Transplantationen sollten nicht zu häufig verschrieben werden, da der Eingriff mit Beschwerden und Kosten verbunden ist.

Das Risiko, eine schwere Rezession zu ignorieren

(18:04–21:07)

Die unteren Frontzähne sind aufgrund des dünnen Knochens, aggressivem Zähneputzen und schlecht geplanter kieferorthopädischer Behandlungen besonders anfällig. Wird starker Zahnfleischrückgang in diesen Bereichen ignoriert, kann dies zu Zahnlockerung oder sogar Zahnverlust führen.

Frühes Eingreifen ist einfacher und besser planbar als das Abwarten einer Krise. In manchen Fällen kieferorthopädische Umpositionierung kann zur Regeneration des Zahnfleischgewebes beitragen, indem der Zahn zurück in den Knochen bewegt wird.

Ohne rechtzeitige Behandlung benötigen Patienten möglicherweise aufwendige restaurative Maßnahmen, Schienen oder sogar Zahnextraktionen. ImplantationDie Überwachung mittels Fotos und 3D-Scans ist unerlässlich, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (0:04) Herzlich willkommen zurück bei „Sparen Sie Geld, schützen Sie Ihre Zähne“. Heute widmen wir uns einem Thema, das oft Sorgen und Bedenken auslöst: Zahnfleischrückgang. Wir sprechen mit Dr. Clifford Yudelman von OptiSmile über die Ursachen, die Bedeutung für Ihre langfristige Zahngesundheit und vor allem über die modernen Behandlungsmethoden, darunter die effektivsten Zahnfleischtransplantationsverfahren. Dr. Yudelman, herzlich willkommen zurück.

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (0:31) Danke, Eon. Danke für die erneute Einladung. Es war schön, mit Ihnen zu sprechen.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (0:37) Nach der brütenden Hitze der letzten Woche kühlt es jetzt endlich etwas ab. Und da der Winter naht, Sie wissen schon, Rezession und Sensibilität, dachte ich, das wäre ein gutes Thema. Heute sind wir also bei Podcast 99. Nächste Woche ist es dann soweit, ein Meilenstein.

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (0:52) Ja, fantastisch. 100 Podcasts und wir haben immer noch etwa 40 oder 50 weitere Ideen. Wir sind also noch lange nicht fertig.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (1:05) Super. Okay. Also, Dr. Yudelman, wir wissen, dass zu starkes Zähneputzen Zahnfleischrückgang verursacht. Kann man das Zahnfleisch tatsächlich nachwachsen lassen?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (1:05) Zurückgehendes Zahnfleisch wächst nicht von selbst nach. Das muss man unbedingt verstehen. Zurückgehendes Zahnfleisch bedeutet, dass es sich von seiner ursprünglichen Position entfernt hat, die normalerweise am Zahnschmelzrand liegt, wo der Zahnschmelz auf die Wurzel trifft. Dadurch wird die Wurzeloberfläche freigelegt, was im Mund nicht vorgesehen ist. Der Körper regeneriert Zahnfleisch nicht von Natur aus. Die moderne Parodontologie – eine Art plastische Chirurgie für das Zahnfleisch – ermöglicht es uns, Zahnfleischgewebe so zu repositionieren oder zu transplantieren, dass die Deckung und Gesundheit des Zahnfleisches wiederhergestellt werden. Wir arbeiten mit verschiedenen Parodontologen zusammen.

Wir lassen das Zahnfleisch also nicht biologisch nachwachsen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin viel auf Instagram unterwegs und sehe da diese ganzen Beiträge über Stammzellen aus China und wie Zähne oder Zahnfleisch angeblich nachwachsen, nur durch ein bisschen Zahnpasta oder so. Hier geht es aber um den Wiederaufbau von verlorenem Gewebe mithilfe von chirurgischen Techniken. Zahnfleischrückgang wird meist durch zu aggressives Zähneputzen mit einer sehr harten Zahnbürste verursacht. Wie wir schon erwähnt haben, spielt auch ein dünner Zahnfleischtyp eine Rolle, also dünnes Zahnfleisch im Vergleich zu dickem Zahnfleisch, sowie eine Zahnstellung außerhalb des Knochens, insbesondere bei kieferorthopädischen Behandlungen. Wir beobachten, dass Patienten heutzutage alle möglichen billigen Nachahmerprodukte verwenden, die nicht von Invisalign oder anderen bekannten Marken stammen.

Die Planung verlief nicht wie geplant, und der Zahn hat sich zu weit nach außen, also nach außen und aus dem Knochen heraus, verschoben. Dadurch zieht sich das Zahnfleisch zurück, da kein Knochen mehr vorhanden ist – und für Zahnfleischwachstum ist Knochen notwendig. Hinzu kommt Zähneknirschen. Wenn man die Zähne zusammenpresst oder knirscht, bewegen sich die Zähne, was zu einer sogenannten Abfraktion führen kann. Wir haben das bereits besprochen. Dabei handelt es sich um eine kleine Rille am Zahnfleischrand. Entsteht diese Rille durch die Bewegung des Zahnes, zieht sich das Zahnfleisch zurück. Es kann dort nicht mehr richtig anhaften. Und dann ist da natürlich noch die Entzündung. Bei einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die behandelt wird, kann sich das Zahnfleisch ebenfalls zurückziehen. Sobald der Rückgang jedoch begonnen hat, schreitet er langsam fort, solange die Ursache nicht behandelt wird. Studien zeigen, dass eine frühzeitige Behandlung des Zahnfleischrückgangs, insbesondere bei Empfindlichkeit oder fortschreitender Erkrankung, zu besseren Ergebnissen führt, als abzuwarten, bis die Wurzeln stark freiliegen. Und obwohl sich das Zahnfleisch nicht von selbst heilt, kann es bei richtiger Behandlungsplanung vorhersehbar wiederhergestellt werden.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (4:11) Gut. Und was genau ist ein Bindegewebstransplantat? Und ich möchte Sie auch fragen, woher dieses Gewebe eigentlich stammt?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (4:11) Die Bindegewebstransplantation ist die am weitesten verbreitete und am besten erforschte Methode zur Behandlung von Zahnfleischrückgang. Bei diesem Eingriff wird ein kleines Stück Bindegewebe von der Unterseite des Gaumens entnommen. Dieses Gewebe wird dann auf die freiliegende Wurzeloberfläche gelegt und fixiert. Mit der Zeit verbindet sich das Transplantat mit dem umliegenden Gewebe und bildet einen neuen, dickeren Zahnfleischrand über dem Zahn.

Wir verwenden Gewebe vom Gaumen, weil es ähnliche biologische Eigenschaften wie das Zahnfleischgewebe um die Zähne herum aufweist und sich sehr gut integriert. Langzeitstudien belegen durchweg hohe Erfolgsraten und eine gute Gewebestabilität für diese Art der Wurzeldeckung. Aus biologischer Sicht verbessert die Technik nicht nur das Aussehen, sondern erhöht auch die Gewebedicke und beugt so zukünftigem Zahnfleischrückgang vor.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich derzeit häufig Zahnfleischrückgang beobachte. In den meisten Fällen ist der Schaden bereits entstanden und heilt von selbst aus. Es handelt sich also nicht um einen fortschreitenden Prozess. Wir überwachen ihn mithilfe von 3D-Scans und Fotos. Wir überweisen Patienten nicht bei jedem leichten Zahnfleischrückgang zu einer Zahnfleischtransplantation. Vielmehr kommt es vor, dass bei mehreren Zähnen leichter Zahnfleischrückgang auftritt und plötzlich ein einzelner Zahn, beispielsweise ein unterer Schneidezahn, stark betroffen ist, Entzündungen sichtbar sind und sich der Zustand voraussichtlich verschlimmern wird. Es geht hier nicht nur um den allgemeinen altersbedingten Zahnfleischrückgang oder die eben genannten Fälle.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (6:25) Und das mag ein Mythos sein, aber ich möchte nur sichergehen: Stimmt es, dass man Gewebe vom Gaumen nimmt? Und falls ja, tut es tatsächlich weh?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (6:25) Ja, ja, es tut tatsächlich weh. Ich wollte gerade sagen, ja, wir entnehmen Gewebe vom Gaumen. Aber ja, es tut weh, weshalb ich Patienten nicht überweise… Entschuldigung, ich wollte nicht lachen. Jeder, der das schon einmal hatte, wird Ihnen bestätigen, dass es weh tut. Die Stelle, von der das Gewebe entnommen wird, klingt zwar beunruhigend, aber dank moderner Techniken und Anästhesie sind die Beschwerden in der Regel erträglich und vorübergehend. Ein guter Parodontologe wird Sie darauf hinweisen und Ihnen raten, die verschriebenen Schmerzmittel einzunehmen. Es fühlt sich an wie eine Schürfwunde oder eine Verbrennung.

Ich habe aber auch schon von Patienten gehört, dass der Gaumen ziemlich empfindlich sein kann, sogar stärker als die Stelle, an der das Transplantat auf die Entnahmestelle geklebt wird. In den letzten fünf bis zehn Jahren gab es jedoch Fortschritte bei den Operationstechniken und den Schutzverbänden. Studien zeigen, dass die Beschwerden zwar leicht bis mittelstark sein können, aber schnell abklingen. Und vor allem überwiegt der Nutzen der Stabilisierung des Zahnfleischrückgangs und der Vorbeugung von Langzeitschäden die kurzfristigen Beschwerden. Es gibt aber auch alternative Techniken für bestimmte Fälle, die einen zweiten Eingriff unter Umständen ganz vermeiden können. Darauf werden wir jetzt wahrscheinlich noch eingehen.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (8:05) Und die Lochblendentechnik, was um alles in der Welt ist die Lochblendentechnik und ist sie besser als die traditionelle Veredelung?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (8:05) Also, die Pinhole-Technik – ich glaube, ein Zahnarzt in Amerika hat sie nach sich selbst benannt. Ich glaube nicht, dass sein Name Pinhole war, obwohl es etwas Ähnliches ist. Vielleicht sein Nachname. Ja, Dr. Chao, die Pinhole-Technik ist eine minimalinvasive Methode, bei der kleine Einstichstellen im Zahnfleischgewebe geschaffen werden. Das vorhandene Zahnfleisch wird dann von beiden Seiten durch eine Art Schlüsselloch-Operation gelöst. Anschließend wird ein Spezialinstrument verwendet, um das Zahnfleisch von innen nach außen zu lösen. Dann wird das Zahnfleisch repositioniert, es wird also nicht eingeschnitten und zurückgeklappt. Das Zahnfleisch wird durch dieses kleine Loch nach oben gelöst und dann weiter oben vernäht.

Das funktioniert gut bei leichtem bis mittelschwerem Zahnfleischrückgang und guter Gewebequalität. Das betrifft vor allem den dicken Biotyp, und die Patienten haben in solchen Fällen kaum oder gar keine Beschwerden. Aber das ist nicht immer möglich. Außerdem gibt es deutlich bessere Langzeitergebnisse für Bindegewebe. Das heißt nicht, dass die Lochtechnik nicht funktioniert, aber es gibt jetzt eine kombinierte Methode. Ich bin kein Experte. Ich überweise Patienten an den Parodontologen, und der macht dann sein Ding. Aber es ist eine Kombination aus einem kleinen Loch, in das dann ein kleines Stück Bindegewebe eingebracht wird – quasi wie ein Kissen ausstopfen. Von innen wird ein kleines Stück, wie eine kleine Wurst, in das Loch eingeführt, um das Zahnfleisch von innen heraus zu stärken. Und ich denke, das ist deutlich weniger invasiv.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (9:54) Okay, das leuchtet ein. Und warum, Herr Doktor, ist es wichtig, Zahnfleischrückgang zu behandeln? Geht es dabei nur um das Aussehen oder auch um die Zahngesundheit oder beides?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (9:54) Ja, sehen Sie, es ist nicht immer nur ein kosmetisches Problem. Freiliegende Wurzeloberflächen können anfälliger für Karies sein, insbesondere mit zunehmendem Alter. Es gibt die sogenannte Wurzelkaries, die anfälliger für Abrieb, Zahnbürstenabrieb und Empfindlichkeit sein kann. Aber all das lässt sich auf unterschiedliche Weise behandeln. Das ist nicht mein Fachgebiet. Ich führe diese Operationen nicht durch. Ich überweise Patienten an einen Parodontologen, und es ist ja nicht so, als wäre das kostenlos wie andere Behandlungen. Es kostet einiges, und man braucht einen guten Grund dafür.

Einige der eben genannten Gründe sind wahrscheinlich nicht optimal. Der Hauptgrund, wie ich Ihnen bereits sagte und immer wieder empfehle, ist folgender: Wenn jemand ein kleines Hautstück zwischen den unteren oder oberen Schneidezähnen hat, das sogenannte Lippenbändchen (Frenulum), das an der Lippe zieht, insbesondere an einem unteren Schneidezahn und der Patient eine kieferorthopädische Behandlung hatte, und Sie – wenn Sie nach „Zahnfleischrückgang, unterer Schneidezahn“ googeln – sehen, dass manchmal die Hälfte der Wurzel freiliegt, kann der Patient den Zahn verlieren, weil man ihn kaum noch putzen kann. Dort sammelt sich viel Plaque an. In solchen Fällen empfehle ich dringend eine Zahnfleischtransplantation.

Wissen Sie, an dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass mein verstorbener Vater 27 Jahre lang in Pretoria Zahnfleischchirurgie lehrte und insgesamt 57 Jahre als Zahnarzt praktizierte. 1968 reiste er zusammen mit einem anderen bekannten Parodontologen aus Kapstadt etwa sechs Monate lang durch Europa und die USA, um diese Art von Operationen zu erlernen. Damals entnahm man nicht nur Bindegewebe, sondern auch ein kleines Stück Gaumen und vernähte es. Auch heute noch sehen wir Patienten mit solchen Eingriffen, die man freie Zahnfleischtransplantationen nennt. Ich glaube, der Parodontologe Bernie Radomski ist vor Kurzem hier in Kapstadt verstorben. Er war ebenfalls über 90 und ein guter Freund meines Vaters, der 95 Jahre alt wurde. Sie führten die ersten Zahnfleischtransplantationen außerhalb Amerikas und Europas durch, ich glaube, in Südafrika. Viele der Zuhörer, insbesondere Zahnärzte, werden genau wissen, wovon ich spreche. Und ja, ein großes Lob an sie!

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (12:43) Das ist ja interessant. Ich musste ganz laut rufen, weil sie jetzt weg sind. Also ein großes Dankeschön! Hoffentlich werden sie dort oben gestreamt. Ich schalte ein. Dr. Yudelman, können wir künstliches Gewebe verwenden, anstatt den Gaumen zu durchtrennen?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (12:50) In manchen Fällen, und es gibt einige experimentelle Alternativen, liegt der Vorteil natürlich darin, dass keine Entnahmestelle benötigt wird. Ich denke jedoch, dass die langfristigen Ergebnisse hinsichtlich Wurzeldeckung und Gewebedicke begrenzt sind. Bindegewebe gilt nach wie vor als Goldstandard. Es gibt mittlerweile auch Techniken, bei denen Spezialisten für bestimmte Eingriffe, beispielsweise Knochen- oder Zahnfleischtransplantationen, sogenanntes PRP (plättchenreiches Plasma, PRF) oder Fibrin verwenden. Dabei wird Blut entnommen, ähnlich wie bei einer Blutspende – einige Ampullen –, und anschließend 15 Minuten lang in einer speziellen Zentrifuge langsam zentrifugiert. Das Blutgerinnsel trennt sich dann ab und bildet eine gelbe, fast kittartige Masse, die in den betroffenen Bereich eingenäht werden kann. Manchmal wird es mit sogenanntem Flaschenknochen vermischt, also gefriergetrocknetem Knochen oder künstlichem Knochen, beispielsweise Kalziumbrocken, die Knochen ähneln. Dadurch soll nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch der Knochen nachwachsen. Letztendlich entscheidet also der Spezialist, welche Methode im jeweiligen Fall und für den jeweiligen Patienten am besten geeignet ist.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (14:14) Und sprechen wir über die Nachsorge. Wie lange dauert der Heilungsprozess, was darf man danach essen und was nicht?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (14:14) Der Operateur gibt Ihnen natürlich genaue Anweisungen. Nicht jeder Parodontologe führt viele dieser Transplantationen durch, und manche erzielen bessere Ergebnisse als andere. Deshalb sollten Sie sich immer an einen erfahrenen Parodontologen wenden, der mit dieser Methode sehr vertraut ist und gute Ergebnisse erzielt. Es bringt ja nichts, den Eingriff durchführen zu lassen, wenn er nicht richtig funktioniert oder man nach ein paar Jahren wieder am Anfang steht. Zur Frage der Heilung: Diese dauert etwa ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit ist das Transplantat sehr empfindlich und darf nicht berührt werden. Patienten erhalten spezielle Hinweise zum Zähneputzen, zur Reinigung des Bereichs und zur Auswahl weicher Speisen. Möglicherweise wird ein Verband angelegt. Nach der ersten Woche sollten Sie scharfe und harte Speisen meiden. Nach etwa 10 bis 14 Tagen können Sie wieder normal essen. Es kann mehrere Monate dauern, bis das Transplantat anwächst und sich mit dem umliegenden Gewebe verbindet. Und, wie Sie wissen, ist die genaue Befolgung der Anweisungen einer der wichtigsten Faktoren für ein erfolgreiches Ergebnis.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (15:23) Doktor, wird das Transplantat aus kosmetischen Gründen farblich an mein vorhandenes Zahnfleisch angepasst?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (15:23) Die bereits erwähnten Gaumen- und freien Zahnfleischtransplantate passen oft nicht farblich zusammen, Bindegewebstransplantate hingegen fügen sich mit der Zeit sehr gut ein. Anfangs kann es etwas geschwollen aussehen, aber mit fortschreitender Heilung wird das Ergebnis immer besser. Was künstliche Materialien angeht, bin ich mir nicht sicher. Ich weiß nicht einmal, ob diese in Südafrika bereits verwendet werden. Aber ja, wenn der Eingriff von einem erfahrenen Spezialisten durchgeführt wird, sollte dieser Ihnen, wie bereits erwähnt, Vorher-Nachher-Bilder von kürzlich behandelten Fällen zeigen können.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (16:04) Können Zahnfleischtransplantationen die Empfindlichkeit dauerhaft reduzieren?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (16:04) Ja, in vielen Fällen ist die Empfindlichkeit auf freiliegendes Wurzeldentin und offene Dentinkanälchen zurückzuführen. Wenn man einen Großteil der Wurzel bedeckt, reduziert man die Freilegung und schützt das empfindliche Zahnzement. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten, die Empfindlichkeit zu reduzieren. Das ist aber nicht die Hauptmethode. Wir haben Lacke und andere Produkte, die wir auftragen können, oder wir geben unseren Patienten Bleichschienen, die zur Desensibilisierung eingesetzt werden können. Wir haben bereits in einigen Podcasts über Zahnempfindlichkeit gesprochen. Wichtig ist unter anderem, Apfelessig, Zitrone, sehr säurehaltige Getränke und Sprudelwasser zu meiden, da diese das Dentin dauerhaft empfindlich halten. Die Verwendung einer fluoridhaltigen oder desensibilisierenden Zahnpasta in Kombination mit einer weichen Zahnbürste ist effektiver als die alleinige Anwendung einer desensibilisierenden Zahnpasta. Auch Zahnfleischtransplantationen werden oft als Mittel zur Reduzierung der Empfindlichkeit genannt. Aber wie ich schon sagte, man sollte Zahnfleischtransplantationen nicht zu häufig empfehlen oder verschreiben, denn das ist kein Kinderspiel. Ich denke, das haben wir hier ausreichend besprochen.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (18:04) Und zum Schluss noch ein kleines Szenario. Was passiert, wenn wir einen starken Zahnfleischrückgang an einem unteren Schneidezahn ignorieren?

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (18:04) Danke für die Nachfrage nach einer genaueren Erklärung. Wie bereits erwähnt, ist dies einer der Hauptgründe, warum ich Patienten zur parodontalen plastischen Chirurgie überweise. „Perio“ bedeutet „um“ und „dental“ bedeutet „Zähne“. Ein Parodontologe behandelt also das Zahnfleisch und den Kieferknochen rund um den Zahn. Im Grunde handelt es sich um plastische Chirurgie. Die unteren Frontzähne sind besonders anfällig. Wie gesagt, der Knochen ist dort dünn. Manchmal putzen Patienten zu kräftig. Möglicherweise wurden Aligner nicht optimal angepasst oder die Zahnwurzel durch eine feste Zahnspange zu weit nach vorne oder falsch abgewinkelt. Außerdem ist außen kein Knochen vorhanden. Manchmal behandle ich sogar Fälle mit Invisalign, bei denen wir den Zahn bewegen, ihn nach hinten neigen und ihn wieder in den Kieferknochen drücken. Und ganz ohne Operation wächst das Zahnfleisch des Patienten nach, weil wir den Körper aktiv beim Knochenaufbau unterstützen.

Das ist also etwas, was wir fotografieren und dokumentieren. Es ist ein interessanter Fall. Sie war schon vorher bei einem Parodontologen und geht alle drei Monate hin. Möglicherweise benötigt sie danach eine kleine Knochentransplantation, aber es ist schon fast 50 Prozent besser. Ja, man möchte nicht so viel Zahnfleisch und Knochen verlieren, dass sich ein Zahn lockert oder man ihn sogar verliert. So kann es passieren, dass man einen unteren Schneidezahn verliert. Und, wissen Sie, aus finanzieller und biologischer Sicht führt das Ignorieren von Zahnfleischrückgang oft zu viel komplexeren Behandlungen und sogar zu Zahnersatz, Schienen oder sogar dazu, dass ein Zahn gezogen und ein Implantat eingesetzt wird. Daher ist ein frühzeitiges Eingreifen bei den unteren Schneidezähnen fast immer einfacher und besser planbar als das Abwarten einer Krise. Wissen Sie, wenn ich einen Patienten sehe, bei dem es ziemlich schlimm ist und er sagt: „Oh ja, mein Zahnarzt in Johannesburg hat das beobachtet“, dann denke ich: „Lassen Sie uns ein paar Fotos machen. Mal sehen, was er beobachtet hat.“ Und dann gibt es vielleicht keine Fotos oder sie sagen: „Ach, es war in Ordnung. Aber in den letzten sechs Monaten ist es einfach richtig schlimm geworden.“ Genau das will man ja vermeiden.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (20:37) Das war unglaublich aufschlussreich, Dr. Yudelman. Vielen Dank, dass Sie uns die Ursachen von Zahnfleischrückgang erläutert und erklärt haben, wie moderne Parodontalchirurgie das Gewebe stabilisieren, die Empfindlichkeit reduzieren und die Zähne über Jahre hinweg schützen kann.

Dr. Clifford Yudelman – OptiSmile: (20:58) Vielen Dank. Und nochmals vielen Dank für Ihre tollen Fragen. Ich freue mich schon auf Podcast-Folge 100 nächste Woche.

Eon Engelbrecht – E-Radio-SA: (21:07) Nächste Woche sprechen wir über eine zahnschonende Alternative zum Zahnersatz: die sogenannte Marylandbrücke. Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche und wir hören uns nächste Woche. Bis dahin.

(21:40) Entdecken Sie die Welt der Zahnmedizin mit OptiSmile. Hören Sie unseren wöchentlichen Podcast mit Dr. Clifford Yudelman, einem erfahrenen Experten mit 40 Jahren Berufserfahrung auf vier Kontinenten. Erhalten Sie einzigartige Einblicke und Expertenratschläge auf OptiSmile.co.za. Dort finden Sie Artikel, die Ihnen den Weg zu optimaler Mundgesundheit zeigen. Suchen Sie nach erstklassiger Zahnbehandlung in Kapstadt? Kontaktieren Sie OptiSmile oder buchen Sie direkt online auf OptiSmile.co.za. OptiSmile – globale Expertise trifft auf lokale Versorgung.

 

Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Podcasts „Save Your Money Save Your Teeth“ an Medical Mondays dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Es ist nicht als zahnärztliche oder medizinische Beratung gedacht. Die von Dr. Clifford Yudelman und etwaigen Gästen geäußerten Erkenntnisse und Meinungen sollen ein besseres Verständnis der Zahngesundheit, vorbeugender Maßnahmen und des allgemeinen Wohlbefindens fördern, sollten jedoch nicht als professionelle zahnärztliche oder medizinische Empfehlungen interpretiert werden.Dr. Clifford Yudelman diagnostiziert, behandelt oder bietet Präventionsstrategien für Gesundheitszustände nicht direkt über diesen Podcast an. Diese Plattform ist kein Ersatz für die persönliche Betreuung und Beratung durch einen zugelassenen Zahnarzt oder Arzt. Wir empfehlen unseren Zuhörern dringend, sich mit ihren eigenen Zahnärzten in Verbindung zu setzen, um individuelle Zahngesundheitsbedürfnisse und -probleme zu berücksichtigen. Die hier geteilten Informationen zielen darauf ab, den Zuhörern Wissen über Zahngesundheit zu vermitteln, dürfen jedoch nicht als Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen ohne Zahngesundheit verwendet werden professionelle Anleitung. Ihr Zahnarzt ist die beste Quelle für Ratschläge zu Ihrer Zahn- und allgemeinen Gesundheit. Bitte lassen Sie sich bei Fragen oder Bedenken bezüglich Ihrer Zahngesundheit immer von Ihrem Zahnarzt oder anderen qualifizierten medizinischen Fachkräften beraten.

Inhaltsverzeichnis
Leitender Zahnarzt und Gründer von OptiSmile, Dr. Clifford Yudelman

Clifford Yudelman

Gründer und Chefzahnarzt

Als weltweit anerkannter Experte für restaurative und kosmetische Zahnheilkunde bringt Clifford über 40 Jahre Erfahrung auf vier Kontinenten mit. Als Bachelor of Dental Science schloss er 1983 die University of Witwatersrand ab und seine berufliche Laufbahn umfasste Privatpraxen in London, San Diego, Perth und Kapstadt. Derzeit ist er Gründer und leitender Zahnarzt von OptiSmile und wird dafür gefeiert, dass er Zahnarztbesuche in positive Erfahrungen verwandelt und das Vertrauen der Patienten durch eine hervorragende Zahngesundheit stärkt, wobei er sich für die neueste Zahntechnologie zur Verbesserung der Patientenergebnisse einsetzt.

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